Projektidee
Durch den Klimawandel werden Hitze, Starkregen und Stürme zunehmen. Diese Extremwetterereignisse heizen die „steinerne“ Innenstadt im Sommer auf. Starkregen führt zu Überschwemmungen und heftige Winde werden zum Sicherheitsrisiko. Die menschliche Gesundheit wird belastet und der Aufenthalt im Freien zunehmend herausfordernd.
Wie viele Innenstädte ist Bremens Centrum stark versiegelt und hat wenig Grün und Schatten. Auch die Kanalisation funktioniert bei Starkregen nicht mehr störungsfrei. „Klimastraßen“ sind die Antwort auf diese Risiken. Dabei spielen „grüne“ und „blaue“ Lösungen eine wichtige Rolle – also naturnahe Grün- und Versickerungsflächen, Bäume und andere Verschattungs- und Erfrischungselemente. Sie können für Abkühlung, Verschattung und Belüftung sorgen und überschüssiges Regenwasser für trockene Perioden speichern. Gleichzeitig verbessern sie die Aufenthaltsqualität und Nutzbarkeit des öffentlichen Raums.
Vor diesem Hintergrund war es Ziel des Handlungskonzeptes, auf Basis einer umfassenden Klima- und Betroffenheitsanalyse, insgesamt 30 Orte in der Bremer Innenstadt zu identifizieren, die besonders von Hitze, Starkregen und Wind betroffen sind. Und für diese Orte erste Maßnahmenvorschläge zu entwickeln, mit denen die Straßen, Plätze und Stadträume klimaangepasst umgebaut werden können.
Projektablauf
Im März 2023 hatte das Projektbüro die Erstellung des Handlungskonzepts ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt eine Arbeitsgemeinschaft rund um das renommierte Landschaftsarchitekturbüro bgmr.
Nach Durchführung und Vorstellung der
Klimafolgen-, Betroffenheits- und Akteursanalysen erfolgte in der zweiten Jahreshälfte 2023, teils zeitparallel, der Auswahlprozess zur Bestimmung der besonders geeigneten Potenzialorte (sog. 12er- und 6er-Shortliste) und im Januar 2024 schließlich die Auswahl der Dechanat- und Museumstraße als Modellorte, für die eine Vorplanung entwickelt werden sollte.
Auch der Vorplanungsprozess (Phase Null) wurde intensiv zusammen mit dem Bürger:innenrat Stadtraum Centrum Bremen (BSCB) durchgeführt und an mehreren Stellen mit Planungsbetroffenen, Anlieger:innen und der Politik abgestimmt.
Mit dem beispielgebenden Umbau der Dechanatstraße fand das Projekt einen anschaulichen Abschluss vor Ort.
Beauftragung von bgmr mit BPW & GeoNet
April 2023
Analyse- und Konzeptionsphase für Handlungskonzept Klimaanpassung
April 2023 – August 2024
Durchführung der Klimafolgen-, Betroffenheits- und Akteursanalysen mit Bestandsanalysen und Anliegerinterviews für beide Modellstraßen
Mai - November 2023
Abstimmungen, Vertiefungen und Auswahl von Pilotprojekt in ressortübergreifenden Fach- und Verwaltungsrunden, mit Bürger:innenrat sowie in politischen Gremien (Ortsbeirat & Deputationen)
September 2023 - Januar 2024
Erarbeitung Phase Null / Vorplanung zur Dechanatstraße und Museumstraße mit Bürger:innenrat
September 2023 - Januar 2024
Übergabe Vorplanungen an Amt für Straßen und Verkehr
Januar 2024
Überführung Vorentwurf in Ausführungsplanung
Februar - Dezember 2024
Beschluss des Handlungskonzeptes durch Fachdeputationen
November 2024
Umbaubeginn Dechanatstraße
September 2025
Fertigstellung Dechanatstraße
Mai 2026
Details aus der Entwurfsplanung
Ein zentrales Ergebnis der multifaktoriellen Klimafolgen und Akteursanalyse war, dass besonders die bioklimatische Belastung durch Hitzestress im Bremer Centrum hoch ist, weil sie fast flächendeckend auftritt. Aufgrund seiner baulichen Dichte und der vegetationsarmen, versiegelten und teils nicht verschatteten öffentlichen Räume heizen sich besonders viele Orte im Bremer Centrum stark auf. Das Erfordernis zur Bewältigung von Hitzewellen ist künftig also eine besonders dringliche Aufgabe der Stadtplanung, vor allem in solchen Räumen mit hohem Publikumsverkehr.
An bestimmten Orten ist jedoch auch die Überlastung von Infrastruktursystemen für die Entwässerung ein großes Problem, wenn Starkregenereignisse auftreten. Mögliche Überflutungsbereiche sind beispielsweise das Schnoorviertel sowie Abschnitte der Faulenstraße zwischen der Volkshochschule und Radio Bremen. Hier müssen stadtplanerische Maßnahmen in den Fokus rücken, die den öffentlichen Raum in seiner Funktion zur Wasserrückhaltung stärken; beispielsweise indem das anfallende Niederschlagswasser von der Mischwasserkanalisation abgekoppelt, in naturnah gestalteten Beeten versickert und für trockene Zeiten in Zisternen gespeichert wird.
Von den 30 Orten, die besonders betroffen sind, wurden grobe Zielstellungen für insgesamt 12 Straßen und Plätze sowie konkrete Maßnahmenvorschläge für sechs Orte entwickelt. Für die Museumstraße sowie die Dechanatstraße wurden im Rahmen des Handlungskonzeptes eine Vorplanung („Phase Null“) vertieft, die im Fall der Dechanatstraße Grundlage für den mittlerweile fertig gestellten Umbau wurde.

Landschaftsarchitektin Undine Giseke bei einem Workshop im Projektbüro, Sept. 2023
Credit: Projektbüro Innenstadt Bremen / Christian Burmester

Zwölf „Kandidaten“ der Shortlist, die sich besonders gut für einen Umbau zum klimaangepassten Ort eignen
Credit: Projektbüro Innenstadt Bremen / bgmr Landschaftsarchitekten

Lageplan Dechanatstraße (Phase Null)
Credit: Projektbüro Innenstadt Bremen / bgmr Landschaftsarchitekten

Die Dechanatstraße im Bestand (6/2024)
Credit: Projektbüro Innenstadt Bremen / Christian Burmester

Visualisierung der künftigen Dechanatstraße
Credit: ASV / Bruun Möllers

Ortsbegehung zu Klimaanpassungsmaßnahmen mit dem Bürger:innenrat
Credit: Projektbüro Innenstadt Bremen / Christian Burmester
Downloads
Die bereitgestellten Downloads sind möglicherweise nicht vollständig barrierefrei.
Studie Teil 1: Handlungskonzept Klimaangepasste Stadträume, Stand September 2024
Handlungsbedarfe und -räume zur Klimaanpassung im Bremer Centrum zwischen Wall und Weser und Identifikation von Modellorten zur kurzfristigen Umsetzung blau-grüner Anpassungsmaßnahmen
Studie Teil 2: „Phase Null“ für die Modellräume, Stand Februar 2024
Identifikation und Vorbereitung von Potenzialräumen zur baulichen Entwicklung blau-grüner, klimaangepasster Stadträume im Bremer Centrum
Erstellung eines Handlungskonzeptes und Durchführung einer Phase 0
Präsentation zur Klimastraße, Stand September 2024
Die Deputation für Mobilität und Stadtentwicklung gab in ihrer Sitzung am 5.9.2024 die Mittel für die weitere Planung und Umsetzung der klimaresilienten Dechanatstraße frei.
Zuständigkeiten
Projektträger:in
Projektbüro Innenstadt Bremen / Amt für Straßen und Verkehr
Ort
Dechanatstraße sowie im Handlungskonzept weitere Räume zwischen Wall und Weser
Projektbüro
Federführende Koordinierung des Analyse-, Planungs- und Partizipationsprozesses
Finanzierung
Bundesprogramm Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren (ZIZ)
Akteur:innen
SUKW-4, SUKW-2, SBMS-5, SBMS-6, ASV, UBB, hansewasser, GEO-INFO, BSCB, Ortsbeirat, Anlieger:innen Museumstraße und Dechanatstraße, Planungskonsortium, Moderationsbüro BSCB
Für die objektspezifische Planung sowie die bauliche Umsetzung des Modellprojekts standen gut 1,2 Mio. Euro aus dem ZIZ-Programm zur Verfügung. 2024 und 2025 nahm das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) die Vergabe für die integrierte Objekt-, Grün- und Tiefbauplanungen an das Landschaftsarchitekturbüro Bruun + Möllers vor.
"Neben den Prinzipien der sogenannten Schwammstadt lenkt das Handlungskonzept die Aufmerksamkeit auch auf die Aufenthaltsqualität und die Nutzbarkeit von wichtigen Verbindungswegen, Straßen und Plätzen im Zentrum zwischen Wall und Weser. Es wird für die vielen bevorstehenden Schritte der Transformation der Innenstadt und ihrer Lebensadern – die öffentlichen Räume – eine entscheidende Grundlage sein.“
Carl Zillich, Geschäftsführer Projektbüro Innenstadt Bremen GmbH
Aktuelles
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