Klimaangepasste Stadträume: Eine Klimastraße wird umgebaut

Öffentlicher Raum
Bremens Innenstadt muss sich an die Folgen des Klimawandels anpassen. Hitzeperioden, Starkregen und Stürme werden absehbar den Aufenthalt in der Innenstadt beschwerlich oder sogar gefährlich machen, wenn nicht gehandelt wird. Ein „Handlungsraumkonzept“ schlägt nun Maßnahmen zum Umbau von 12 Straßen und Plätzen vor, um das Centrum gegen die Auswirkungen von Extremwetter zu wappnen.

Projektidee

Durch den Klimawandel werden Hitze, Starkregen und Stürme zunehmen. Diese Extremwetterereignisse heizen die „steinerne“ Innenstadt im Sommer auf. Starkregen führt zu Überschwemmungen und heftige Winde werden zum Sicherheitsrisiko. Die menschliche Gesundheit wird belastet und der Aufenthalt im Freien zunehmend gefährlich. Wie viele Innenstädte ist Bremens Centrum stark versiegelt und hat wenig Grün und Schatten. Auch die Kanalisation funktioniert bei Starkregen nicht mehr störungsfrei. „Klimastraßen“ sind die Antwort auf diese Herausforderungen. Dabei spielen „grüne“ und „blaue“ Lösungen eine wichtige Rolle – also naturnahe Grün- und Versickerungsflächen, Bäume und andere Verschattungs- und Erfrischungselemente. Sie können für Abkühlung, Verschattung und Belüftung sorgen und überschüssiges Regenwasser für trockene Perioden speichern. Gleichzeitig verbessern sie die Aufenthaltsqualität und Nutzbarkeit des öffentlichen Raums. Beispielhaft wird jetzt die Dechanatstraße umgebaut. 

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Projektablauf

Im März 2023 hat das Projektbüro die Erstellung eines „Handlungsraumkonzepts“ zur Klimaanpassung für die Innenstadt ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt ein Konsortium aus drei Planungsbüros. Ziel des Konzepts war es herauszufinden, welche Orte in der Innenstadt besonders betroffen sind und bauliche Maßnahmen zu definieren, mit denen diese Straßen und Plätze angepasst werden können. Aus einer „Shortlist“ mit 12 Straßen und Plätzen, die sich besonders für einen Umbau eignen, wurden zwei ausgewählt: die Museums- und die Dechanatstraße. In einer „Phase Null“ haben die Planungsbüros ko-produktiv mit dem Bürger:innenrat  Umbauoptionen entwickelt. Der pilothafte Umbau der Dechanatstraße soll Anfang 2025 beginnen.

Durchführung der Klimafolgen-, Betroffenheits- und Akteursanalysen sowie Bestandsanalysen und Anliegerinterviews in den beiden Modellstraßen
Mai – November 2023
Abstimmungen, Vertiefungen und Entscheidungsfindungen zum Handlungsraumkonzept und der Auswahl des Modellortes in ressortübergreifenden Fach- und Verwaltungsrunden sowie in politischen Gremien (Ortsbeirat, Deputationen)
September 2023 – Januar 2024
Erarbeitung der Phase Null / Vorplanung mit dem Bürger:innenrat
September 2023 – Januar 2024
Übergabe des Projekts an das Amt für Straßen und Verkehr
Januar 2024
Überführung und Vertiefung der Vorplanung in die Ausführungsplanung
Februar – Dezember 2024
Umbaubeginn Dechanatstraße
Anfang 2025

Beschreibung

Nach den Vorplanungen hat sich gezeigt, dass sich die Dechanatstraße besser für einen Umbau zur Klimastraße eignet, als die Museumsstraße. Zum einen, weil deutlich mehr Innenstadtnutzer:innen von einem Umbau profitieren. Zum anderen, weil mit der Maßnahme bei langen Hitzeperioden nicht nur die Nutzer:innen in der Straße selbst profitieren, sondern bei Starkregen künftig auch der Schnoor. Die Pflanz- und Grünzonen in der Dechanatstraße, die vor dem Altbau der Johannisschule hergerichtet werden sollen, können das Regenwasser nämlich wie ein Schwamm aufnehmen und speichern. Und somit das alte Kanalsystem des Schnoors bei Starkregen entlasten und vor Überschwemmungen schützen.

Frau beschriftet Plan der Bremer Innenstadt während eines Workshops

Landschaftsarchitektin Undine Giseke bei einem Workshop im Projektbüro, Sept. 2023

Credit: Projektbüro Innenstadt Bremen / Christian Burmester

Blick auf die historischen Gebäude in der Dechanatstraße

Dechanatstraße

Credit: Projektbüro Innenstadt Bremen / Christian Burmester

Lageplan der Bremer Altstadt mit Möglichkeiten der Stadtbegrünung

Zwölf „Kandidaten“ der Shortlist

Credit: Projektbüro Innenstadt / bgmr Landschaftsarchitekten

Lageplan der Dechanatstraße

Lageplan Dechanatstraße (Phase Null)

Credit: Projektbüro Innenstadt / bgmr Landschaftsarchitekten

Eine Gruppe von Menschen steht unter einem Baum in der Nähe eines Parkplatzes.

Teilnehmende des Bürger:innenrats besichtigen den Jakobikirchhof, September 2023

Credit: Projektbüro Innenstadt Bremen / Christian Burmester

Zuständigkeiten

Projektträger:in

Projektbüro Innenstadt Bremen / Amt für Straßen und Verkehr

Ort

Dechanatstraße sowie im Handlungskonzept weitere Räume zwischen Wall und Weser

Projektbüro

Federführende Koordinierung des Analyse-, Planungs- und Partizipationsprozesses

Finanzierung

Bundesprogramm Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren (ZIZ)

Akteur:innen

SUKW-4, SUKW-2, SBMS-5, SBMS-6, ASV, UBB, hansewasser, GEO-INFO, BSCB, Ortsbeirat, Anlieger:innen Museumsstraße und Dechanatstraße, Planungskonsortium, Moderationsbüro BSCB  

Für die objektspezifische Planung sowie die bauliche Umsetzung des Modellprojekts stehen gut 860.000 Euro aus dem ZIZ-Programm zur Verfügung. 2024 und 2025 wird das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) die integrierte Objekt-, Grün- und Tiefbauplanungen vornehmen.

„Ich freue mich sehr, dass wir dieses Pilotprojekt im Zentrum unserer Stadt machen und dass viele engagierte Bürgerinnen und Bürgern sich daran beteiligen! Von dort wird es in die Stadtteile wirken.“

Kathrin Moosdorf, Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft