Öffentlicher Raum

Städtisches Leben spielt sich draußen vor den Häusern ab, auf den Straßen und Plätzen oder in den Parks – also im öffentlichen Raum. Seine Bedeutung wird oft unterschätzt. 

Was ist öffentlicher Raum?

Der öffentliche Raum gehört allen und soll möglichst alles können: Grünflächen, Plätze, Straßen und Wege sind Bewegungs- und Begegnungsorte. Sie dienen dem Verkehr, der Erholung oder als Sport- und Spielfläche und immer häufiger auch der Klimaanpassung und der Stadtnatur.
Der öffentliche Raum ist (mit)entscheidend für die Lebensqualität in der Stadt. Besonders deutlich wird dies bei schönem Wetter, wenn gefühlt „ganz Bremen“ in den Parks unterwegs ist, an der Weser flaniert oder vor den Straßencafés sitzt.
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Auch Bremens Innenstadt verfügt mit der grünen Wallanlage, dem Domshof und kleineren Plätzen oder der Schlachte über ganz unterschiedliche öffentliche Räume. Einige sind von Autos geprägt, andere sind gut geeignet, um dort zu verweilen und wiederum andere könnten durch ein paar Umbauten einladender werden.

Die Bremer Innenstadt zwischen Wallanlagen und Weserufer.

© GeoDatenService

Grün hervorgehoben: Der öffentliche Raum der „binnenstadt“

© GeoDatenService

Die einladende Stadt

Abends wirkt Bremens City wenig einladend. Wie in anderen deutschen Innenstädten auch gibt es nach Ladenschluss kaum Gründe, sich dort länger aufzuhalten – aber auch kaum Möglichkeiten dazu, etwa gastronomische oder kulturelle Angebote. 

Es wohnen nur wenige Menschen in der Innenstadt und dementsprechend fehlen soziale oder Bildungseinrichtungen aber auch Sitzgelegenheiten, schattige Plätze oder Spielplätze für Anwohner:innen und Besucher:innen. Kurz gesagt: Zu den größten Problemen der Innenstadt zählt der Mangel an schönen Freiräumen und Vielfalt. 

Gebäude in der Bremer Innenstadt
Wie gestalten wir den öffentlichen Raum für eine zukunftsfähige Innenstadt? Welche Angebote fehlen, um Straßen und Plätze vielfältiger erlebbar zu machen?

© Projektbüro Innenstadt / Christian Burmester

Das soll sich nun ändern. Erste Ideen wurden schon erfolgreich getestet. Seit einigen Jahren zeigt der Open Space auf dem Domshof, wie die Innenstadt zum lebendigen Treffpunkt werden kann. Einfache Holzbauten, Sitzmöglichkeiten und Kulturprogramm locken Publikum auf Bremens größten Platz. Mit diesen Erfahrungen wird der Domshof nun dauerhaft umgebaut.
Auch andere öffentliche Räume sollen attraktiver gestaltet werden und vielfältigere Angebote sollen in leere Ladenflächen ziehen. So kommen auch abends Menschen in die Innenstadt und das Wohnen in der Innenstadt wird attraktiver. Mehr Vielfalt und mehr Leben erhöhen auch die gefühlte Sicherheit.
Aufenthaltsqualität

Ist ein Platz oder eine Straße geeignet, dass sich dort Menschen gerne aufhalten und begegnen, spricht man von Aufenthaltsqualität. In der „Bremen Charta“, die Teil der „Strategie Centrum Bremen 2030+“ ist, wird eine höhere Aufenthaltsqualität als wichtiges Ziel genannt. Dafür soll u.a. das Parken im Straßenraum reduziert werden, um mehr Platz zum Flanieren, Spielen und Sitzen zu gewinnen. Außerdem soll es mehr Grün und mehr „konsumfreie“ Orte geben.

Open Space auf dem Domshof im Sommer 2023
Raum zum Sitzen, Verweilen und Spielen: Open Space auf dem Domshof, 2023

© Projektbüro Innenstadt / Christian Burmester

Als „dritte Orte“ werden Orte für die Gemeinschaft bezeichnet. Sie stehen allen kostenlos zur Verfügung, haben fast durchgängig geöffnet, bieten manchmal Lesungen oder Vorträge und sollen dazu anregen, miteinander in Kontakt zu kommen. In Bremen ist die Stadtbibliothek Am Wall ein etablierter „dritter Ort“. Mit dem UMZU ist jetzt ein neuartiger dazugekommen.  

Das UMZU bei Abend
Das UMZU ist ein Experimentierraum für Stadtmacher:innen und steht allen Bremer:innen offen.

© Projektbüro Innenstadt / Christian Burmester

Mit allen (Verkehrs)Mitteln erreichbar

Schon wegen ihrer zentralen Lage kommt der Bremer Innenstadt eine besondere Rolle zu. Für alle Bremer:innen ist sie über den nahegelegenen Hauptbahnhof und zentralen Straßenbahnlinien erreichbar. Auch mit dem Auto oder dem Fahrrad kommt man gut ins Zentrum. Das soll auch in Zukunft so bleiben.

In den 1960ern wurde Bremens Innenstadt so umgebaut, dass Besucher:innen bequem mit dem Auto ins Herz der Altstadt fahren und dort parken konnten. Dazu wurden enge Straßen verbreitert und große Parkhäuser gebaut. Heute kaufen immer mehr Menschen im Internet ein und arbeiten im Homeoffice, sodass viele Parkhäuser nicht mehr voll ausgelastet sind und breite Straßen als Barrieren wirken. 

Die Kreuzung am Brill
An der Kreuzung Am Brill treffen alle Mobilitätsformen aufeinander.

© Projektbüro Innenstadt Bremen / Christian Burmester

Gleichzeitig hat sich der Zeitgeist geändert. Heute fordern auch Fußgänger:innen und Radfahrer:innen breite und sichere Wege. Hier gilt es, die unterschiedlichen Interessen – auch der Gewerbetreibenden und mobilitätseingeschränkter Menschen – fair auszugleichen. Von Einzelprojekten abgesehen, brauchen Veränderungen hier jedoch viel Zeit und Sorgfalt.

In Bremen legen die Menschen ihre Wege aktuell zu 36% mit dem PKW zurück, zu 23% mit dem Fahrrad, zu 25% zu Fuß und zu 16% mit dem ÖPNV. Das Auto ist also bis heute das wichtigste Verkehrsmittel. Die Bedeutung des Rad- und Fußverkehrs nimmt seit Jahren zu.  

Die Innenstadt wird klimaresilient

Seit Jahren stecken wir mitten im Klimawandel. Die verschiedenen Extremwetterereignisse nehmen zu. Auch Bremen muss sich auf vermehrten Starkregen im Winter und trocken-heiße Sommer einstellen.

Eine Stadt wie Bremen alleine kann den Klimawandel nicht aufhalten – aber versuchen, sich an ihn anzupassen. Deshalb will Bremen seine Parkanlagen durch anpassungsfähige Pflanzen „fit“ machen für Trockenperioden und seine Straßen, Plätze und Abwasserkanäle so umbauen, dass sie mit Sturm und Starkregen fertig werden.

Bremer Marktplatz bei Starkregen
Die erwartete Zunahme von Starkregenereignissen erhöht auch in der Innenstadt die Gefahr von Überflutungsschäden. Öffentliche Räume müssen an den Klimawandel angepasst werden.

© Michael Schuster, 2010

Auch die besonders dicht bebaute und stark versiegelte Bremer Innenstadt muss sich anpassen, um in Zukunft nutzbar zu bleiben. Dazu sollen zum Beispiel Straßen, Plätze und Innenhöfe teilweise entsiegelt und ebenso wie Dächer begrünt werden. So können  sie Regenwasser aufnehmen und speichern  und heizen bei hohen Temperaturen weniger stark auf.  

So wird die Dechanatstraße zur „Klimastraße“ mit zusätzlichen Bäumen, grünem Aufenthaltsbereich, Versickerungsbeeten und weiteren Maßnahmen. Weitere Maßnahmen könnten folgen, z.B. Schattenwege“ als begrünte und verschattete Abkürzungen in die Wallanlagen und an die Weser, die als naturnahe Orte an heißen Tagen wie Entlastungsräume für die Besucher:innen und Bewohner:innen der Innenstadt wirken.
Schwammstadt

Ziel der Schwammstadt-Idee ist es, Regenwasser an Ort und Stelle im Boden zwischenzuspeichern, statt es über Regenrinnen, Gullys und Abwasserkanäle möglichst schnell abzuleiten – was bei Starkregen oft zu Überlastung und Überschwemmungen führt. Die Zwischenspeicherung entlastet das System, hilft Straßenbäumen im Sommer und sorgt für angenehme Verdunstungskühle. Hierfür müssen asphaltierte Bereiche entsiegelt und Versickerungsflächen geschaffen werden.

Visualisierung Dechanatstraße
Klimaangepasster Umbau: Dechanatstraße wird zu erster Klimastraße in der Innenstadt

© bgmr Landschaftsarchitekten GmbH, 2023

Versickerungsflächen am Straßenrand, auf Plätzen oder in Grünanlagen und neu gepflanzte Jungbäume, die über die Jahre größer werden, gehören zur „Blau-grünen-Infrastruktur“. Diese wird für eine Schwammstadt benötigt. Mit ihrer Hilfe wird das Regenwasser auch in der Stadt in einem natürlichen Wasserkreislauf gehalten. 

Visualisierung Wasserkreislauf in der Stadt vs. Grünflächen
Blau-grüne Klimastraßen: Verdunsten und Versickern von Niederschlagswasser, statt Abführen über die Kanalisation.

© bgmr Landschaftsarchitekten GmbH, 2023

Wie können wir die Innenstadt an die Folgen des Klimawandels anpassen? Was wird schon jetzt getan und was ist geplant?  

Im Auftrag der Stadt erarbeitet das Projektbüro Innenstadt Bremen Lösungen für durchlässigere Böden und bessere Luftqualität in Straßen und auf Plätzen. Eine klimaangepasste Innenstadt wirkt dadurch sogar über ihre Grenzen hinaus. Und wird ein Ort für alle.

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Klimaangepasste Stadträume

Bremens Innenstadt muss sich an die Folgen des Klimawandels anpassen. Hitzeperioden, Starkregen und Stürme werden absehbar den Aufenthalt in der Innenstadt beschwerlich oder sogar gefährlich machen, wenn nicht gehandelt wird.
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Der planerische Ausgangspunkt für den Wandel der Innenstadt ist die Strategie Centrum Bremen 2030+ aus dem Jahr 2021. Als „Kompass der Innenstadtentwicklung“ hat sie sich bewährt. Jetzt wird sie konkretisiert und aktualisiert.
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